UniMobil_4U

„UniMobil_4U“: Die 4 Grazer Universitäten auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität*

Die vier Grazer Universitäten, die Universität Graz, die Technische Universität Graz, die Medizinische Universität Graz, und die Kunstuniversität Graz, haben sich 2009 zu einer Nachhaltigkeitsplattform unter dem Label „Sustainability4U“ zusammengeschlossen und die gemeinsame nachhaltige Universitätsentwicklung in den Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium verankert. Ziel dieser Initiative ist es, die bereits vorhandenen Aktivitäten zu bündeln und im Bereich der nachhaltigen Entwicklung auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene gemeinsame Akzente zu setzen, aber auch Synergien optimal zu nutzen. Das vorliegende Projekt „UniMobil_4U“ ist ein bedeutender Mosaikstein in der Zusammenarbeit der Universitäten und ein wichtiges Zeichen, gemeinsam Herausforderungen aufzugreifen und an Problemlösungen für nachhaltige Mobilität zu arbeiten. 

Schlagworte, wie Klimawandel und globale Erwärmung, aber auch Schlagzeilen über Umweltkatastrophen und die internationale Finanzkrise, rücken Themen der Ökologie, der Nachhaltigkeit und insbesondere der erneuerbaren Energien sowie der alternativen Verkehrsmittel in den Mittelpunkt des politischen und öffentlichen Interesses. Die Initiativen der Universitäten im Bereich der Mobilität machen mehrfachen Sinn, weil die Optimierung der Erschließung, aber auch die Vernetzung der unterschiedlichen Universitätsstandorte in Graz, durch die immer stärker werdenden Kooperationen in Forschung und Lehre, für einen sicheren Radfahrer-und Fußgängerverkehr sowie für die verbesserte Erreichbarkeit im öffentlichen Verkehr unumgänglich vonnöten ist. Bemerkenswert ist, dass von derartigen Maßnahmen insgesamt 11.000 MitarbeiterInnen und mehr als 45.000 Studierende der Grazer Universitäten betroffen sind. 

Ziel des Projektes ist es, die Spezifika im Mobilitätsverhalten der MitarbeiterInnen und Studierenden der Grazer Universitäten zu analysieren, die wesentlichen Argumente für die Verkehrsmittelwahl zu untersuchen und insbesondere für den Radfahrverkehr Gefahrenquellen zu lokalisieren und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. Die Ergebnisse beziehen sich auf im Juni 2008 und 2009 durchgeführte Onlinebefragungen, wobei von den insgesamt 11.000 MitarbeiterInnen circa 25 % an der Befragung teilnahmen, von den knapp 45.000 Studierenden circa 9 %, das entspricht einem Rücklauf von insgesamt fast 6.000 Fragebögen. 

 

Zu den Kernergebnissen**: 
  • Die MitarbeiterInnen und Studierenden der Grazer Universitäten sind in Bezug auf den Modal Split vorbildlich: Nur circa 7,6 % aller Betroffenen benutzen täglich immer den privaten PKW als Alleinfahrer, das sind hochgerechnet weniger als 3.700 Personen. Die Benutzung des PKW korreliert dabei sehr stark mit der Distanz, über 70 % der Autonutzer wohnen in einer Entfernung von mehr als 10 km Pendlerdistanz beziehungsweise wenden zu mehr als 50 % einen Zeitaufwand von über 30 Minuten für ihre Anfahrt auf.
  • Die Aufteilung auf die übrigen Verkehrsmittel ergibt, dass die Grazer Universitäten über knapp 14.000 Personen verfügen, die täglich immer mit dem Fahrrad zu den Universitäten fahren, dazu kommen jeweils über 7.000 Personen, die entweder immer zu Fuß oder immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Universitätseinrichtungen erreichen.
  • Während bei den AutofahrerInnen nur eine sehr geringe jahreszeitliche Variabilität gegeben ist (Anstieg der Autonutzung im Winter um maximal 2 %), steigen die RadfahrerInnen im Winter entweder auf öffentliche Verkehrsmittel um oder gehen zu Fuß zu den Universitäten.
  • Als wichtigste Parameter bei der Verkehrsmittelwahl wurden Zeitersparnis, Flexibilität sowie Kostenersparnis genannt; erst in zweiter Linie kommen Gesundheits- und Umweltschutzaspekte zum Tragen. Diese Einflussfaktoren könnten durch zielgerichtete Planung und Bewusstseinsbildung weiter unterstützt werden.
  • Verbesserungsvorschläge, die in den Einflussbereich der Universitäten fallen, betreffen insbesondere Fahrrad-Servicestellen und Fahrradabstellmöglichkeiten (bedarfsorientiert, sicher, überdacht) sowie die Verbesserung von Information und Kommunikation über alternative Mobilitätsformen.
  • Der Optimierungsbedarf, der insbesondere in Zusammenarbeit mit der Stadt Graz zu lösen ist, bezieht sich
  • auf die Verbesserung vorhandener bzw. die Schaffung von neuen Fahrradwegen,
  • auf eine Entschärfung gefährlicher Straßenstücke, etwa in der Merangasse, der Elisabethstraße und insbesondere in der Heinrichstraße und
  • auf die Entschärfung gefährlicher Kreuzungen, insbesondere am Geidorfplatz, am Sonnenfelsplatz und am Dietrichsteinplatz.
  • Die bedeutendsten und vordringlichsten Synergien mit der Stadt Graz betreffen allerdings die optimale Anbindung aller Universitätsstandorte an das städtische Radwegenetz!

 

Da die Problembereiche an den vier Grazer Universitäten, basierend auf den Erhebungen, weitgehend ähnlich sind, würden alle Standorte von entsprechenden Maßnahmen gleichermaßen profitieren. Veränderungen und Verbesserungen im Bereich der alternativen Mobilitätsformen, konkret im öffentlichen Verkehr, Fahrradverkehr und Fußgängerverkehr, würden knapp 30.000 MitarbeiterInnen und Studierende an den Grazer Universitäten betreffen und ihnen mehr Sicherheit, Komfort sowie Flexibilität geben. Darüber hinaus würde die damit erreichte Signalwirkung ein weiteres Potenzial von über 10.000 Personen ansprechen, die bisher nur manchmal oder selten alternative Verkehrsmittel in Anspruch genommen haben.

 
 

 

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*Von O. Univ. Prof. Dr. Friedrich M. Zimmermann, Mag. Dr. Susanne Janschitz und Mag. Anna Hagauer, Team UniMobil_4U, alle: Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz. 

**Bei der Frage nach der Häufigkeit der Benutzung der Verkehrsmittel konnten die Probanden jeweils zwischen „immer“, „häufig“ und „selten“ auswählen. Aufgrund der daraus resultierenden Doppelnennungen flossen in die Auswertung nur die „immer“ Bewertungen ein. Dadurch erklären sich die fehlenden Prozentpunkte bei den Darstellungen des Modal Splits.

 

Diese Studie wurde 2010 mit dem Österreichischen Mobilitätspreis des VCÖ ausgezeichnet.